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Blauton #1

Medium: Aufwändig produziertes und ungewöhnlich gestaltetes Mitarbeitermagazin mit hohem inhaltlichen Anspruch. Schwerpunktthema der Ausgabe: „Mannsein“. Auftraggeber Hirmer GmbH & Co. KG / Birke und Partner


Willst du etwa so ins Kino?

Eine 13-Jährige aus meinem Bekanntenkreis eröffnete ihrer Mutter und mir eines Morgens beim Frühstück missgelaunt und ungefragt, dass sie die Einzige in der Familie sei, die „Ahnung von Mode“ habe. Insbesondere ihr siebenjähriger Bruder sei an Peinlichkeit in diesem Punkt nicht zu überbieten. Und da der Junge in – aus ihrer Sicht – unfassbar infantilen und albernen Sporthosen herumliefe, die aus „Ballonseide“ gefertigt seien und an den Füßen Sandalen trüge, zwischen deren Riemen seine in fröhlichen Farben gehaltenen Ringelsöckchen hervorlugten, müsse sie sich in Grund und Boden schämen, wenn sie mit ihm in der Öffentlichkeit gesehen würde. Er sehe aus wie ein „Prollkind“, so das aufgebrachte Mädchen.



Bei Kindern gehören Sandalen zum guten Ton

An diesem Beispiel ist sehr gut zu erkennen, dass uns Männern schon im Kindesalter das Tragen bequemer Lieblingskleidung madig gemacht wird, und auch wenn es in diesem Beispiel nur die pubertierende Schwester war, die das Selbstwertgefühl des kleinen Mannes völlig zu Unrecht zerstampfte – verkennend, dass Sandalen bei Siebenjährigen zum guten Ton gehören – so hält dieses ungute Kräfteverhältnis oft auch noch nach Durchschreiten der Adoleszenz an: Der mittlerweile erwachsen gewordene Mann sieht sich in den meisten Fällen zwar nicht mehr mit seiner keifenden Schwester konfrontiert, dafür aber hat in seinem Leben die Rolle der Modepolizei in vielen Fällen erneut eine Frau übernommen: die Ehefrau nämlich. Oder die Freundin. Jedenfalls aber eine Frau; eine, die qua Selbsternennung zur Aufpasserin nun mit großem Eifer das Klischee jenes Mannes hegt und pflegt, der seine Unterhose erst dann gegen neue Ware auszutauschen bereit ist, wenn ihm die alte vom Leibe fällt. Dass jenes (für den weiblichen Blick oft übertriebene) Auskosten der vollständigen Lebensdauer eines Bekleidungsstückes auch etwas mit Nachhaltigkeit, mit Ökonomie und mit dem Behalten von Liebgewonnenem zu tun hat und nicht immer nur damit, dass es uns Männern völlig egal ist, wie wir aussehen – dieser Gedanke dürfte trotz seines hehren Inhaltes in Frauenohren klingen wie unverständliches Kauderwelsch.

Das Schöne am Manne ist indes: Er kann beides. Sein Nervenkostüm erlaubt ihm einerseits ein Verlassen der Wohnung um, sagen wir mal, den Müll runterzubringen, ohne dass er sich vorher Gedanken über sein Äußeres machen müsste. Er erledigt diese Aufgabe im dünngewaschenen T-Shirt, ohne sich ständig umzudrehen, ob ihn vielleicht jemand sieht. Andererseits weiß der Mann aber auch, wann der Anzug aus dem Schrank geholt werden muss. Oder der Frack. Oder das Polohemd. Oder was immer dem Anlass gebührlich ist.
Er kann das unterscheiden, er weiß, was wann angebracht ist. Frauen, so ist allenthalben bekannt, tun sich da ja oft etwas schwer. Wo nämlich wir Männer stilsicher ohne viel Federlesens den richtigen Griff tun und keine Zeit mit der Frage verschwenden, welche Farbnuance dem Abend wohl angemessener sein könnte, schießt so manche Frau gerne einmal übers Ziel hinaus.

Und es ist ja auch klar: Wessen Gedanken den ganzen Tag nur um die Kleidungsfrage kreisen, der vergaloppiert sich da schon mal vor lauter Aufregung. Und so kommt es eben, dass manche Männer das Zweitligisten-Fußballstadion in Begleitung ihrer High-Heels und Abendkleid tragenden Frau aufsuchen müssen, die aber dank ihrer Turmfrisur – deren Anfertigung Stunden in Anspruch genommen hat – im Getümmel wenigstens immer leicht wiederzufinden ist.

Niedliche Speckröllchen dank knappem Höschen

Und ja, auch Frauen tragen Jeans! Manchmal. Allerdings nicht immer genau die gleichen wie wir. Manche Frauen schwören auf äußerst niedrig geschnittene „Ultra-low-cut“-Jeans, die im Idealfall eine halbe Nummer zu knapp gekauft werden, damit die recht kurzlebige Zeitgeisterscheinung des Hüfttattoos (die im Volksmund übliche Bezeichnung verkneife ich mir) noch besser zur Geltung kommt. Das Tragen einer solchen Hose führt übrigens oftmals zu einem weiteren, verstörenden Ergebnis: Der niedrige Schnitt der Jeans sorgt zuverlässig dafür, dass die knapp gehaltene Unterwäsche deutlich zu erkennen ist. Hier zu sagen, sie „luge“ aus der Hose heraus, ist eine gnadenlose Untertreibung – bedenkt man, dass sich zumindest beim Bücken der wesentliche Teil eines String-Tangas außerhalb der Jeanshose befindet. Schöner Nebeneffekt: Links und rechts bilden sich je nach Trägerin unheimlich niedliche Speckröllchen, in die der String dann lässig einschneidet. Ganz schön sexy.

Das Resümee kann daher nur lauten: Liebe Frauen, wir Männer kommen ganz gut auch ohne eure Stilberatung klar. Und trotzdem lassen wir euch nicht alleine. Wenn ihr mal wieder gar nicht wisst, was los ist: Orientiert euch doch einfach an uns! Ach so, ihr habt gar kein ausgewaschenes Lieblings-T-Shirt? Macht doch nichts. Wir leihen euch eines von unseren, schließlich haben wir genug davon.
 
 

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